Serienteil 4 der Reihe „Was bleibt von Pegida?“

Von Melanie Schröder

Als die Pegida-Demonstrationen in Dresden zum Jahreswechsel 2014/2015 ihren Höhepunkt erreichten, blickten bundesweit angesiedelte Medien in die sächsische Hauptstadt. Seitdem ist ein Jahr vergangen und die Straßen füllen sich immer noch Montagabend für Montagabend. Negative Schlagzeilen sind dem Image der Tourismusstadt Dresden ebenso abträglich wie die Demonstrationen und angstschürenden Reden der Pegidisten selbst.

Die positive Strahlkraft von Elbflorenz ist angegriffen. Die Stadt kämpft um ihre Touristen, möchte nach Außen ein freundliches Gesicht zeigen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel es nennt. Verantwortlich dafür ist unter anderem Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH. Ihre Aufgabe ist es, Dresden über die Stadt- und Bundesgrenzen hinaus als attraktives Ausflugsziel, als Symbol der Toleranz und Weltoffenheit zu bewerben.

Sie tritt für die Marke Dresden ein.

Bettina Bunge tritt für die Marke Dresden ein. Foto: Sven Döring

Wenn Bettina Bunge über Dresden spricht, dann wählt sie für die sächsische Landeshauptstadt kein romantisches Synonym. Für sie ist Dresden weder Elbflorenz, noch Florenz des Nordens, noch ehemaliger Königssitz oder gar Tal der Ahnungslosen. Für Bettina Bunge ist Dresden eine Marke. Und diese muss sie bestmöglich verkaufen. Tagtäglich beschäftigt die Geschäftsführerin des Dresdner Stadtmarketings der Wert dieser Marke. Er hat gelitten, das gibt Bunge zu. Doch einen starken Anteil daran haben ihrer Ansicht nach nicht ausschließlich die fremdenfeindlichen Demonstrationen von Pegida selbst, sondern:

„Durch die andauernde, häufig negative Berichterstattung über Dresden in den letzten Monaten hat der Ruf unserer Landeshauptstadt sicher temporär gelitten.“

Eine interessante Beobachtung und irgendwie auch passend für Dresden: Journalisten werden ja gern auf Protestmärschen und auch außerhalb des Demonstrationsgeschehens zu Sündenböcken gemacht. Aber sei es wie es sei, nun muss die gebürtige Niedersächsin den Karren aus dem Dreck ziehen. Und noch betont sie:

„Wir glauben an diese Marke, weil sie eines ist: authentisch.“

Natürlich wird eine Frau des Marketings den Teufel tun und anders über ihren Schützling Dresden sprechen – das ist klar. Aber dennoch lässt Bunge zwischen den Zeilen erkennen, dass sie auf den Imageschaden, den die Stadt erlitten hat, auch gern hätte verzichten können. Denn er verändert den Fokus ihrer Arbeit: Bettina Bunge betreibt seit vielen Monaten eine Schadensregulierung.

Wir stellen mit einer noch größeren Deutlichkeit als bislang die Aspekte konkret dar, die Dresden zu einer weltoffenen, toleranten Stadt machen.

Es liegt in der Natur ihrer Arbeit, jeder Kerbe, die Pegida ins Profil Dresdens schlägt, etwas Positives abzugewinnen, in Krisen auch Chancen zu sehen und im Rückschritt einen Fortschritt zu erkennen. Das müssen Leser des Interviews bei jeder Zeile bedenken. Es offenbart aber dennoch eine weitere interessante Innensicht einer Dresdnerin, die damit beschäftigt ist, die Stadt öffentlichkeitswirksam aus dem rechten Licht zu rücken.

 

Hier gibt es das vollständige Interview mit Bettina Bunge.

 

Teil 1: Was bleibt von Pegida? Gedanken von Dresdner Studenten

Teil 2: Was bleibt von Pegida? Das sagt ein Musiker der Stadt

Teil 3: Was bleibt von Pegida? Aus(Sicht) der Zentrale für politische Bildung