Serienteil 2 der Reihe „Was bleibt von Pegida?“

Von Melanie Schröder

Als die Pegida-Demonstrationen in Dresden zum Jahreswechsel 2014/2015 ihren Höhepunkt erreichten, blickten bundesweit angesiedelte Medien in die sächsische Hauptstadt. Und auch jetzt, da sich die Straßen Montag für Montag wieder füllen, ist das Interesse an Berichterstattung groß. Doch selten kommen Menschen zu Wort, die in Dresden leben, arbeiten und Wurzeln geschlagen haben. Sie befinden sich mitten in einem Konflikt, der ihnen abverlangt, sich für oder gegen Pegida zu entscheiden. Die Stimmung unter den Dresdnern hat sich nachhaltig verändert: Die Stadt ist gespalten. Davon berichtet diesmal der Musiker Michal Tomaszewski.

Unklar. Völlig absurd. Irreal. Michal Tomaszewski fällt es schwer, die Geschehnisse in Dresden nüchtern zu betrachten. Verständlich. Denn der gebürtige Pole, der im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland einwanderte, fühlt sich direkt betroffen von teils fremdenfeindlichen Parolen, die auf Pegida-Demonstrationen Montag für Montag in der Dresdener Altstadt ertönen.

Die Blasmuikcombo gestaltet das kulturelle Leben in Dresden mit.

Die Blasmuikcombo gestaltet das kulturelle Leben in Dresden mit. Foto: Homepage www.bandacomunale.de

In Niedersachsen ging Tomaszewski zur Schule, leistete dort auch seinen Zivildienst ab und kam schließlich im Jahr 1999 nach Dresden, um zu studieren. Inzwischen weiß er nicht mehr genau, wie lange er noch bleiben wird. Und das, obwohl er in Dresden seit mehr als 15 Jahren tief verwurzelt ist. Tomaszewski arbeitet in einem bekannten Museum der Stadt, hat einen großen Freundeskreis und eine intakte Beziehung. Doch seit dem vergangenen Herbst hat sich vieles geändert, erzählt er:

„Es ist irreal, was hier passiert. Gerade für jemanden wie mich, der zwar nicht aus gebürtig aus Deutschland kommt, aber im Westen sozialisiert wurde.“

Er fühlt sich fremd. So wie vermutlich viele Einwanderer, die seit Jahren nicht in der deutschen Gesellschaft ankommen und aufgenommen werden, sagt der Musiker der Band Banda Comunale. Das Blasmusikensemble ist seit mehr als zehn Jahren eine feste Größe in der Dresdner Kulturszene.

Die Blechbläsercombo setzt zum Jahresbeginn ein musikalisches Zeichen gegen Pegida. Foto: Homepage www.bandacomunale.de

Die Blechbläsercombo setzt zum Jahresbeginn ein musikalisches Zeichen gegen Pegida. Foto: Homepage www.bandacomunale.de

Im Januar initiierte die Gruppe den Dresdner Neujahrsputz – eine Antipegida-Demo, die nach Aussage von Tomaszewski 9.000 Menschen auf die Straße lockte. Bei Pegida seien am selben Abend etwa 25.000 Menschen erschienen. Der Regionalzeitung „Dresdner Neuste Nachrichten“ sagte er damals: „Es ist ein Armutszeugnis für Dresden, dass eine Blaskapelle und eine Reggaeband die größte Gegenaktion planen.“ Und natürlich sei der Geist von Pegida nicht nur an Montagabenden auf den Straßen Dresdens spürbar. Auch die tagtägliche Lebenswirklichkeit ist von der Bewegung nachhaltig verändert worden, meint der Klarinettist:

„Im Bekanntenkreis oder auch im Arbeitsalltag entstehen Gespräche, bei denen man sich wirklich an den Kopf fasst und sich sagt, das kann doch nicht sein.“

Das betrifft vor allem auch Situationen, in denen Tomaszewski den Alltagsrassismus ganz unmittelbar beobachtet hat. Sein Fazit: „Das Image Dresdens ist im Arsch.“ Besonders versöhnlich klingt das nicht.  Tomaszewski rührt seine eigene Ratlosigkeit an. Denn für den Musiker ist Dresden auch eine Stadt der tiefgehenden Freundschaften, die ihn voraussichtlich ein Leben lang begleiten werden. Kein einfaches Los, das er gezogen hat.

 

Hier gibt es das vollständige Interview mit Michal Tomaszewski.

 

Teil 1: Was bleibt von Pegida? Das sagen Dresdner Studenten

Teil 3: Was bleibt von Pegida? Aus(Sicht) der Zentrale für politische Bildung

Teil 4: Was bleibt von Pegida? Eine Herausforderung in Sachen Marketing