Ich packe meinen Koffer….und mein Smartphone muss mit?! Wie verändert sich der Urlaub, wenn man ständig online ist, fragt sich Agatha. Und wie war das eigentlich früher, als es die kleinen Energiefresserchen noch nicht gab?

Von Agatha Mazur

Wenn ich drei Dinge auf eine einsame Insel nehmen könnte: Mein Smartphone wäre nicht darunter. Das anstrengende Suchen nach dem besten Ort für den Empfang nervt, das inständige „Hoffentlich-hält-die-Verbindung-heute-länger-als-fünf-Minuten“-Beten schlaucht. Und man kennt schneller das WLAN-Passwort auswendig als die Begrüßung in der Landessprache. Das Gerät, was eigentlich so gut in der Hand liegt, entpuppt sich als Energiefresser und Zeiträuber – und verändert den Urlaub.

Ich erinnere mich noch an meine erste richtig große Reise. In die Mongolei ging es damals, zweieinhalb Jahre ist das her. Ich war vorher noch nie außerhalb Europas gewesen. Ich war aufgeregt, neugierig, mein Rucksack war voller Dinge, die ich zu brauchen meinte – ein Smartphone war nicht darunter. Das habe ich mir erst danach gekauft (Ja, tatsächlich!). Ich habe niemandem eine „Huhu, sind gerade im Urlaub und es ist toll“-Whatsapp-Nachricht geschickt, keine Bilder auf Facebook gepostet, musste nicht auf die Suche nach Netz gehen (was in den Weiten der mongolischen Steppe sowieso problematisch geworden wäre).

Abgetaucht vom Alltag

Das Ergebnis war: Ich war einfach weg. Weg. Von der Bildfläche verschwunden, aus dem Alltag abgetaucht, unterwegs in einer fremden Welt. Den Kontakt zum Boden hatte ich verloren. Ein großartiges Gefühl.

Entspannen und trotzdem online sein: geht das überhaupt?

Entspannen und trotzdem online sein: geht das überhaupt?

Und jetzt? Komme ich gerade aus einem dreiwöchigen Urlaub auf Sri Lanka. Wenn mein Freund und ich es uns abends in den Hotelbetten gemütlich gemacht hatten, fingen die Gespräche meist so an: „Und? Hast du Empfang?“ „Hab nur einen Balken. Ist super lahm.“ Kollegen habe ich statt Postkarten Bilder mit Whatsapp geschickt, und das großartige Foto vom Strand musste ich natürlich auf Facebook posten. Mein Freund hatte sich zwei Bücher mitgenommen. Wenn das WLAN stabil war, blieben die liegen und er hat Spiegel Online den Vorzug gegeben.

Informieren statt abschalten

Die Nachricht über die Attentate in Paris im November erreichten uns als Eilmeldung über Facebook. Sowas lässt einen nicht kalt, nur weil man bei 30 Grad unter Palmen liegt. Klar mussten wir uns danach informieren: Was war passiert im fernen Europa? Spiegel und Süddeutsche hat mein Freund im Minutentakt aktualisiert. Wenn ich Facebook aufrief, wurde ich mit Solidaritätsbekundungen und Bleu-Blanc-Rouge-Flaggen überschwemmt. Auf einmal war Europa doch nicht mehr so fern, sondern rückte näher. Nachrichten, Alltag und Informationen streckten ihre Finger nach uns aus. Dabei wollte ich doch endlich mal abschalten.

Schlechter war der Urlaub durch das Sich-auf-dem-Laufenden-Halten und durch den Kontakt über die sozialen Medien nicht. Gesehen haben wir genauso viel, erlebt genauso intensiv. Aber anders war er schon. Wir waren nicht komplett weg, nicht komplett abgetaucht. Die Verbindung nach Zuhause, zum Alltag, stand und fiel mit der Netzverbindung – und war häufig eben vorhanden. Erholt haben wir uns genauso gut, doch dieses unbeschreibliche Gefühl des „Ich-bin-dann-mal-weg“ hat mir mein Smartphone geklaut. Einfach weil es da war und ich es auch genutzt habe. Sicherlich war es auch eine turbulente Zeit, die Pariser Attentate und was sie danach ins Rollen brachten, musste man als Journalistin einfach verfolgen. Und dennoch: Auf eine einsame Insel würde es mein Smartphone nicht schaffen.