Jedes fünfte Kleidungsstück wird nicht getragen: Das hat Greenpeace in einer Studie herausgefunden. Das bedeutet: Wir verschwenden gigantisch viele Ressourcen – für nichts. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Was offenbart eigentlich mein Kleiderschrank?

Von Agatha Mazur

95 unterschiedliche Kleidungsstücke besitzt jeder Deutsche laut einer Greenpeacestudie im Schnitt (ohne Unterwäsche und Socken). 1000 Männer und Frauen zwischen 18 und 69 wurden gebeten, Einblick in ihren Kleiderschrank zu gewähren. Kurz und langärmlige Oberteile findet man am häufigsten in den Schränken, und ja, ein Klischee bestätigt sich: Frauen besitzen mehr Kleidungsstücke als Männer.

Was allerdings Sorgen macht und was auch Anlass der Befragung war: Greenpeace wollte herausfinden, wie viele der Kleidungsstücke tatsächlich getragen werden oder aber ein Stiefmutterdasein in den dunklen Tiefen des Kleiderschranks fristen. Denn schließlich stecken in jeder Jeans und in jedem T-Shirt Rohstoffe, die genutzt wurden, Arbeitsstunden (meist von Frauen in den Textilfabriken Asiens), die geleistet wurden, Wasser, das verbraucht wurde und möglicherweise auch Chemikalien, die eingesetzt wurden. Alles umsonst, wenn das Kleidungsstück Staub ansetzt.

Was schlummert in unseren Kleidungsschränken?

Zeit, für eine Bestandsaufnahme. Ich will wissen, wie mein Kleidungsschrank aussieht. Wie viele Sachen trage ich tatsächlich regelmäßig – und wie viele gar nicht? Wie alt sind meine Lieblingsstücke?

Zuallererst die Zahlen: Ja, ich bestätige die Statistik. Auch ich besitze als Frau mehr als 95 Kleidungsstücke. Grob überschlagen bin ich bei 110 und ich habe garantiert noch welche übersehen. Von den unzähligen Schals oder auch Schuhen will ich hier nicht sprechen. Sofort fallen mir die Kleidungsstücke ins Auge, die ich gerne und häufig trage. Sie besetzen prominente Plätze im Kleiderschrank. Das weiße Strickoberteil, das ich mit einer Freundin in Amsterdam gekauft habe, ist so ein Lieblingsstück. Auch der graue Cardigan, der zu allem – wirklich zu allem – angezogen werden kann, hängt ganz vorne. Der praktische Jeansrock und der warme antharzitfarbene Pulli mit dem schönen Wasserfallausschnitt sind weitere begehrte Kandidaten.

Doch je mehr ich in den Tiefen meines Kleiderschranks wühle, umso mehr finde ich Sachen, die ich wirklich lange – und damit meine ich Jahre – nicht angezogen habe. Das Blümchentop von H&M, ich glaube, das habe ich mir im zweiten Semester gekauft, ist so ein krasser Fall. Das ziehe ich doch nie wieder an. Ich entdecke sogar Kleidungsstücke, die ich mir noch zu Schulzeiten (!) gekauft hab: Ein pflaumefarbenes Oberteil, was mein Highlight einer Shoppingtour während der Studenfahrt in der 12. Klasse nach Rimini war. Ein schönes Ding, aber nach elf Jahren hat sich die Mode nunmal verändert. Eigentlich müsste das weg, nur aus Nostalgie behalten ist doch auch Quatsch.

Mehr als 20 Prozent der Stücke ziehe ich gar nicht oder nur alle Jubeljahre an

Die erschreckende Erkenntnis: Ich toppe die Statistik. Bei mir ist es deutlich mehr als jedes fünfte Kleidungsstück, was ich entweder gar nicht mehr trage oder allerhöchstens alle Jubeljahre einmal, wenn es mir durch Zufall wieder in die Hände fällt. Gut, viele Sachen sind auch wirklich alt, da ist es okay, wenn man die ausrangiert. Schlimm wird es, wenn neue Sachen nach einer Saison schon auf dem modischen Scheiterhaufen landen. Das Problem mit Mode ist nun mal, dass sie so kurzlebig ist, dass ein Trend den nächsten ablöst.

Doch ich versuche mir immer bewusst zu sein, dass hinter jedem T-Shirt für 12,99 Euro jede Menge Arbeit und Ressourcen stecken. Bei H&M, die gefühlt alle paar Wochen mit einer neuen Kollektion in die Läden kommen, kaufe ich schon lange nicht mehr ein. Bei Primark war ich noch nie. Dafür finden sich seit einiger Zeit vermehrt Kleidungsstücke von Armed Angels, die mit fairen Bedingungen für die Näher werben, in meinem Schrank. Die sind aber deutlich teurer, da kann man schonmal 30 bis 40 Euro für ein einfaches T-Shirt mit Print ausgeben. Das heißt dann wohl: Weniger Kleidung für mehr Geld. Ist mir mein gutes Gewissen aber wert. So, dann her mit der neuen Frühlingskollektion!

Wer nachlesen möchte: Hier geht’s zur Studie von Greenpeace.