Der Weltfrauentag ging dieses Jahr wie üblich vorbei: Irgendwer verschenkte Rosen, die Medien gruben Geschichten zu wichtigen Frauen aus, es gab als Gegenbewegung paar sexistische Witze – ich habe dem Tag keine besondere Beachtung geschenkt. Nun hat mich Piqd auf einen interessanten Essay der Kommunistin Clara Zetkin hingewiesen.

Von Agatha Mazur

Die Rede hat Clara Zetkin, eine sozialistische Frauenrechtlerin 1889 auf dem Internationalen Arbeiterkongress in Paris gehalten. Zetkin, die in der Weimarer Republik Reichstagsabgeordnete für die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) war, gilt auch als Begründerin des Internationalen Frauentags. Das war mir gar nicht bewusst.

Ihre Rede ist sehr stark und eindrücklich. Interessant ist, was sie zu dem Wechselspiel und den Abhängigkeiten zwischen Männerarbeit, Frauenarbeit und Kapital sagt.

Im Grunde, sagt Zetkin, unterscheiden sich Männer- und Frauenarbeit nicht großartig voneinander. Beide Zielgruppen möchten natürlich gut entlohnt werden und angemessene Arbeitszeiten haben, was für Zetkin im Widerspruch zu dem Streben des Kapitals, also Unternehmer steht.

„Der Kapitalist muss sich bemühen (…), die Differenz zwischen Einaufs- bzw. Herstellungspreis und Verkaufspreis seiner Waren so groß wie möglich zu machen. Er sucht also so billig wie möglich zu produzieren und so teuer wie möglich zu verkaufen. Der Kapitalist hat folglich Interesse daran, den Arbeitstag ins Endlose zu verlängern und den Arbeiter mit so lächerlich geringem Lohn abzuspeisen wie nur irgend möglich.“ So weit, so klar vom Prinzip her und vom geschichtlichen Standpunkt zu der Arbeitersituation in der Hochphase der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts.

Frauenarbeit als Druckmittel der Kapitalisten, um Männer noch mehr auszubeuten

Doch wie sich auswirkt, dass Frauen nun ebenfalls auf den Arbeitsmarkt drängen, schildert Clara Zetkin folgendermaßen: Jetzt, wo die Frau eigenes Geld verdient, ist sie wirtschaftlich nicht mehr von dem Mann abhängig. Dafür aber von ihrer Arbeit, also in Zektins Welt dem Kapital. Der Kapitalist macht sich indes diese Abhängigkeit zunutze, indem er Frauen und Männer gegeneinander ausspielt. Jetzt, wo die Frau auch arbeitet, drückt er quasi das Lohnniveau der Männer und verschlechtert deren Arbeitsbedingungen.

Die Frauenarbeit sei darüber hinaus von vornherein billiger gewesen als die männliche Arbeit, behauptet Zetkin. Denn: Der Lohn eines Mannes sei berechnet worden, um eine ganze Familie zu ernähren. Der Lohn der Frau diente nur dazu, den Unterhalt für eine einzige Person zu decken – nämlich den der Frau.

Und noch nichtmal der muss komplett von der Lohnarbeit abgedeckt werden, denn die Frau arbeitet ja auch noch zu Hause weiter, hat daher eine geringere Arbeitsfähigkeit – das unterstellen die Kapitalisten, kritisiert die Frauenrechtlerin – und kann daher noch weniger entlohnt werden als ein Mann.

Diesen Essay, die Gedankengänge von Clara Zetkin und was sie „den Kapitalisten“ vorwirft, fand ich super spannend und stellt eine interessante These zum Thema „Equal Pay“ und der ganzen Diskussion, warum Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, dar. Die Gründe mögen sich mittlerweile gewandelt haben und sind vielschichtig – Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer, dadurch, dass es immer noch eher sie sind, die Kinder betreuen; Frauen ergreifen häufiger als Männer Berufe, die schlecht bezahlt sind wie soziale Berufe.

Schlechtere Bezahlung wegen des Geschlechts?

Wobei man hier auch Clara-Zetkin-mäßig kritisch nachfragen könnte: Werden diese Jobs wie Alten- oder Krankenpfleger oder Krankenschwester nicht genau deswegen schlecht bezahlt, weil sie hauptsächlich von Frauen ausgeführt werden? Diese These habe ich mal irgendwo gelesen. Der Autor oder die Autorin des Beitrags hatte damals ausgeführt, dass Berufe an Prestige und Bezahlung verlieren, wenn sie größtenteils von Frauen ausgeübt werden.

Als Beispiel hatte die Person den Beruf der Sekretärin angeführt: Ehemals war „Sekretär“ ein angesehener Posten gewesen, dann drängten Frauen in diese Branche, seit dem gilt „Sekretärin“ nun nicht als besonders prestigeträchtig. Auch ein interessanter Standpunkt.

Der Weltfrauentag ist vorbei, die feministischen Gedanken bleiben.