Unser Gastautor Kurt Martins hat dieses Gesellschaftsspiel des linken Meinungsterrors unter die Lupe genommen

 

Hast du das Zeug zum Rechtspopulisten? So oder so ähnlich stellt sich die Frage, wenn man das Spiel Bullshit-Quiz beginnt. Wem das Mitlaufen bei Pegida zu Mainstream ist, der kann seit geraumer Zeit mittels zufällig ausgewählter Stichwortkarten sein eigenes Bullshit-Potential entdecken – es lohnt sich! Wer es nicht tut, dem entgehen solche eigen kreierten Sätze wie diese: „Schwule Ausländer gehören abgeschoben!“ oder „Wir fordern ein Recht auf Zensur der analen Meinungspropaganda!“.

Zwei Leipziger, Michael Goldmann und Max Hase, entwarfen das augenzwinkernde Kartenspiel. Der Leipziger Rappelverlag vertreibt es, wie auch das nicht minder politisch unkorrekte „Minderheitenquartett“.  Ökonomisch betrachtet, bedient das Spiel eine Marktlücke. Aufkeimenden Rechtspopulismus der Persiflage zu unterziehen, trifft momentan den Nerv der Zeit – wenn man denn Gutmensch ist. Um diese Rechtspopulisten nicht zu ernst zu nehmen, dient das Spiel einem aufklärerischen Auftrag. Somit stößt es auch in eine Leerstelle des Umgangs mit rechtspopulistischen Meinungen – diese durch Satire zu entwerten und ihre vermeintliche Aura zu durchbrechen, die oftmals durch Unwissen entsteht.

Das Spiel ist in zwei Phasen unterteilt. Mittels zufälliger Zitate beginnt die Reise durch die wirren Gedankengänge der als Rechtspopulisten titulierten Personen. Ein „Book of Shame“ enthält die illustren Zitate, die in ihrer Aneinanderreihung befremdlich sind und kaum mehr Bodenhaftung besitzen. Meint man, dass die Zitate aus dem Zusammenhang gerissen sind, so folge man doch den fleißig zusammengetragenen Quellenangaben. Man merkt schnell, die Zitate werden nicht entkräftet, sondern bekräftigen eher noch das hirnverbrannte Geseier der entsprechenden Person.

Zunächst sucht sich ein Spieler verdeckt seinBullshit Quiz 2en Lieblingspatrioten aus, um aus besagtem Buch ein Zitat zu wählen. Alle anderen Spieler wissen noch nicht Bescheid und müssen raten. Wenn dann die Auswahl zwischen Alexander Dobrindt und Gauland, neben Beatrix von Storch und Horst Seehofer besteht, ist es schwierig die richtige Wahl zu treffen. So ertappt man sich dabei, bestimmte Aussagen automatisch den AfD-Politikern zuzuschreiben, obgleich sie von der CSU stammen und umgekehrt. Dadurch bleibt das Bullshit-Quiz spannend.

Die Rechtspopulisten reichen dabei von Bernd Lucke zu Xavier Naidoo oder auch Frauke Petry und Erika Steinbach. Jede Personenkarte enthält einen Steckbrief plus bisweilen schöner Comic-Portraits. Es gibt jedoch auch weniger bekannte Gesichter, wie Bernhard Lassahn oder Andreas Popp – ersterer Schriftstelller und Liedermacher, zweiterer Kinderbuchautor, der unter anderem Geschichten von Käpt`n Blaubär niederschrieb. Die braune Couleur ist somit in allen Facetten vertreten. Bernd, äh …, Björn Höcke fehlt noch, aber dieser war den Machern wohl zu billig beziehungsweise kann er auch in der zweiten Phase des Spiels gemimt werden.

In dieser darf jeder ausprobieren, ob er das Zeug zum Demagogen hat. Und da Gesellschaftsspiele meistens im Privaten stattfinden, kann man fröhlich und galant rechte Parolen schmettern. Das „Bullshit Quiz“ kann als erste Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus dienen und das ist nicht wenig. Am Ende bleibt die Einsicht: Scheiße bleibt scheiße, also braun, aber amüsant!

 

Das Spiel wurde im Oktober 2015 veröffentlicht. Wer von den beiden Machern mehr erfahren möchte, der kann ihre Internetseite hier besuchen. Dort erfüllen sie in ihrem Online-Satiremagazin CIRCUS MINIMUS alle Standards der Lügenpresse!