Leute, die mit Pflanzen sprechen, habe ich immer für etwas schräg gehalten. Bis ich mich selbst dabei ertappt habe. Schon verrückt, wie sehr man sich im Laufe der Jahre emotional an Dinge binden kann.

Von Agatha Mazur

Na, eigentlich sind Pflanzen keine Dinge im eigentlichen Sinn, sie leben ja und wachsen. Trotzdem irgendwie ein wenig verrückt, sie als lebendige Zimmergenossen zu betrachten. Meine Eltern haben mal eine Pflanze von Bekannten geschenkt bekommen. Zum Umzug ins neue Haus. 16 Jahre ist das her. Irgendwann ist dieses kleine Pflänzchen in mein Zimmer gewandert, ich habe es gegossen und im Laufe der Jahre ist es mit mir gewachsen. Es brauchte einen neuen Topf, musste sich ausbreiten und wollte wachsen.

Auch ich bin irgendwann ausgezogen und wollte raus aus dem Elternhaus. Die Pflanze kam mit, bei jedem Umzug wuchtete ich das Pflänzchen, was mittlerweile dschungelartige Ausmaße angenommen hatte, von einer Wohnung in die nächste. War eben ein Teil von mir.

Erst Jahre später kam ich auf die Idee, überhaupt nachzuschlagen, was für eine Art das denn war. Schefflera übrigens. Ich musste sie stutzen, damit sie mir in meinen kleinen Wohnungen nicht über den Kopf wuchs. Dann der Fehler: Eines schönen Sommers ließ ich sie im Garten stehen. Frische Luft, Sonne, tut ihr gut, dachte ich. War auch prinzipiell so, nur hatte ich nicht daran gedacht, dass im Garten auch so allerlei Schädlinge herumkreuchen. Schwupps hatte sie sich Blattläuse oder anderes Getier eingefangen. Das auch nie wieder fort gegangen ist, trotz akuter Rettungsaktionen und regelmäßiger Pflege.

Letzte Woche habe ich sie entsorgt. Sie hätte es nicht mehr gepackt. 16 Jahre lang waren wir Gefährten und WG-Genossen. Das hinterlässt Spuren. Nächste Woche geht es ab zum Gartenmarkt. Zimmer frei.