Ein Kommentar von Agatha Mazur

Die WM ist längst vorbei, der große Kater beginnt – wie so häufig macht sich gähnende Leere breit nach so einem gesellschaftlichen Ereignis. Nein, nicht ganz, schließlich sprechen wir hier von der FRAUEN-Fußball-WM. Sie hat immer noch nicht die gleiche Relevanz und mediale Präsenz wie der Sport der Herren der Schöpfung. Wer Weltmeister wurde, hatte das ZDF Heute Journal in gefühlt drei Sätzen abgehandelt, direkt danach in gleicher Länge den vierten Tag der Tour de France.

Dennoch muss man sagen: Der Sprung in der Wahrnehmung, in der Präsenz in deutschen Medien war unglaublich. Spielanalysen und Vorberichte schafften es als Aufmacher in die Sportteile, Ergebnisse auf Titelseiten deutscher Tageszeitungen. Spielerinnen wurden groß porträtiert: Auch bei den Frauen zerrten Journalisten private Geschichten an die Öffentlichkeit (siehe Porträt von Hope Solo in der Süddeutschen Zeitung) – Genau wie bei den Männern. Die Fernsehsender haben jedes deutsche Spiel live übertragen, die Nachberichte waren nicht weniger lang und gut kommentiert wie die Spiele der Männer. Das wäre vor einigen Jahren doch noch undenkbar gewesen!

Aber: Das Public Viewing, die Atmosphäre, das Feiern und Reden zwischen Freunden und Kollegen: Nein, das war nicht ansatzweise wie bei den Männerspielen zu beobachten und zu belauschen. Was vielleicht auch an den Uhrzeiten liegen könnte, an denen die Frauenspiele im deutschen Fernsehen liefen: Meist 22 Uhr oder 1 Uhr, je nach Austragungsort in Kanada. Sehr ungünstig und hemmend für die europäischen Fußballliebhaber. Die US-Amerikanerinnen wirds gefreut haben: Sie haben sich schließlich zum dritten Mal den Titel einverleibt.

Dass der Frauenfußball sich langsam, aber sicher dem Männerfußball annähert, was Aufmerksamkeit in der Gesellschaft und Präsenz in den Medien betrifft, ist ein Zeichen von Emanzipation und Wertschätzung. Frauen leisten das gleiche und erhalten auch endlich (hoffentlich bald) die gleiche Aufmerksamkeit. Doch man kann die Medaille auch von der anderen Seite betrachten: Fußball als Sportart ist zurzeit dermaßen überrepräsentiert in den deutschen Medien, dass der Frauensport einfach von der Welle mitgerissen wurde. Mittlerweile werden ja Spiele der männliche U21-Mannschaft im Fernsehen gezeigt: Wer schaut so etwas? Und warum werden nicht auch mal andere Sportarten gezeigt, außer Fußball, Fußball, Fußball. Während andere tolle Sportler Spitzenleistungen erbringen und dennoch nicht gehört werden, wird König Fußball der Hintern gepampert. Die Frauen profitieren davon: Unter emanzipatorischen Gesichtspunkten ein Volltreffer. Leider muss man die Entwicklung aber kritisch beobachten. Alles Fußball oder was?