Wer in Schottland Urlaub macht, kommt an einem Besuch einer Destillerie nicht vorbei. In Oban, einem kleinen Ort an der Küste der West Highlands, habe ich mir angeschaut, wie aus Gerste, Hefe und Wasser echter schottischer Single Malt Whisky wird.

Von Agatha Mazur

Um es vorwegzusagen: Nein, es hat mir nicht geschmeckt. Purer Whisky mit 36,5 Prozent Alkohol ist nichts für meine Zunge, die normalerweise eher Wein oder Bier zugetan ist. Es war aber spannend, sich die Produktion anzuschauen. Bereits wenn man die Halle betritt, in der das Nationalgetränk hergestellt wird, riecht man den malzig-süßlichen Geruch, der in der Luft liegt. Er kommt aus den großen Bottichen, in der die geschrotete Gerste mit Wasser aufquillt.

The Oban Distillery: Kleinste Distillerie Schottlands, seit 1897 an der schottischen Westküste angesiedelt.

The Oban Distillery: Kleinste Distillerie Schottlands, seit 1897 an der schottischen Westküste angesiedelt.

Die mit Malzzucker versetzte Flüssigkeit, die dabei entsteht, gärt dann dann Hefe in großen Tanks vor sich hin. Die bestehen in Oban, einer der beiden letzten verbleibenden schottischen Destillerien der West Highlands, aus Holz. Auf diese Besonderheit weist der Guide besonders hin: Denn das Holz gibt das erste Aroma an den frühen Whisky ab. Das erste Aroma von vier: Neben einem leichten Orangenhauch soll der Kenner im Single Malt Whisky auch Aromen von Honig, Salz und Rauch erkennen können.

Aromanoten für Kenner

Woher kommt die Salz- und Honignote? Das fertig gegärte Produkt wird in großen Behältern erhitzt. Der Alkohol vaporisiert und die Flüssigkeit wird so in mehreren Durchgängen immer mehr eingedampft, um den Alkoholgehalt zu erhöhen.

14656586634122Durch eine Glasscheibe sieht man den (noch) farblosen und klaren Whisky durch die Anlage spritzen, mehr als 70 Prozent Alkohol besitzt er nun. Dann geht es ab in die Fässer. „Oak wood“ aus den USA benutzt die kleine Destillerie aus Oban. In denen wurde bereits Bourbon gelagert, teilweise werden die Fässer gewechselt, so nimmt der Whisky den Geschmack anderer Spirituosen wie Sherry an – und entwickelt so sein eigenes Aroma, was auch etwas an Honig erinnert. Doch die Fässer sind nicht hundert Prozent dicht, ein wenig des Alkohols entweicht – der so genannte „angels‘ share“ – dafür sickert ein wenig der salzhaltigen Meeresluft in das Fass und reichert das Aroma an. Die Fässer geben dem Getränk auch die bernsteinartige Farbnote.

Farbe ändert sich im letzten Reifejahr noch

In Oban wird gerade ein Fass mit 12 Jahre altem Whisky geöffnet, noch ist er hellgelb – und hat 56 Prozent Alkoholgehalt. Erst im Laufe des letzten Jahres (in der kleinen Distillerie lagert der Whisky 13 lange Jahre) erhält das schottische Nationalgetränk seine richtige Farbe und den vorgeschriebenen Alkoholgehalt von 36,5 Prozent.

Er sieht schön aus, der „Oban 13“, wie er braungelb im stilechten Glas schimmert. Doch es braucht vermutlich viel Trinkerfahrung und eine gute Zunge, um die verschiedenen Aromen herauszuschmecken. Ein Stück Kulturgut ist das schottische Getränk auf jeden Fall. Cheers!

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