50 Millionen Küken werden Jahr für Jahr getötet. Die kleinen gelben flauschigen Bällchen haben einen Fehler, der sie zum Tod verdammt: Sie sind männlich und somit der Legehennenbranche zu nichts zu nutze.

Von Agatha Mazur

Daher werden sie direkt nach dem Schlüpfen wahlweise vergast oder in den Schredder geworfen. Das ist in ganz Europa üblich. Allein in Österreich ist seit Ende 2015 ein Verbot in Kraft getreten – allerdings nur in der Biobranche.

Auch in Deutschland sollte mit dieser Praxis Schluss sein: Im September vergangenen Jahres legte Nordrhein-Westfalen im Bundesrat einen Gesetzesentwurf vor, der das sinnlose Abschlachten der Tiere verhindern möchte. Dafür sollte das Tierschutzgesetz geändert werden und diese Praxis verboten werden. Initiiert hatten die Grünen das Gesetz.

Gesetz konnte sich im Bundestag nicht durchsetzen

Nun hat der Bundestag entschieden: Das Töten soll weitergehen. CDU, CSU und SPD hatten dem Gesetzesentwurf nicht zugestimmt, Grüne und Linke waren dafür. Die Regierungsfraktionen wollen statt eines Verbots die Entwicklung eines neuen Verfahrens beschleunigen, das eine Geschlechtererkennung im Ei ermöglicht. So würden männliche Küken erst gar nicht schlüpfen. Doch Tierschutzverbände laufen Sturm. Warum nicht das sinnlose Töten einfach jetzt schon beenden?

Zu lachen wie diese Schokohühnchen haben männliche Küken nichts in der europäischen Ei-Industrie.

Zu lachen wie diese Schokohühnchen haben männliche Küken nichts in der europäischen Ei-Industrie.

Es gibt bereits Tests, die das Geschlecht bestimmen. Aber relativ spät: Nach 9 Tagen (von insgesamt 21 Tagen Brutzeit) gibt die Hormonkonzentration Aufschluss, ob das Embryo eine Henne oder ein Hahn wird. Lässt man nach dieser Zeit die männlichen Embryos absterben, kommt das einer Abtreibung gleich, sagen Tierschützer wie auch Forscher. Besser wäre, noch früher das Geschlecht bestimmen zu können: Uni Leipzig und Dresden arbeiten an einer Methode, die schon nach drei Tagen Auskunft gibt.

Extremer Preisdruck in der Landwirtschaft

Doch auch der Verbraucher muss sich an die eigene Nase fassen. Natürlich hat die Ei-Industrie kein Interesse daran, die männlichen Küken mit durchzufüttern, sie verdienen ja schon an weiblichen Tieren und den Eiern wenig. Erst vor wenigen Tagen protestierten Landwirte in Rheinland-Pfalz gegen den Preisverfall und Dumpingpreise. Da müssen sich auch Verbraucher fragen lassen, warum sie immer nur auf den günstigsten Preis schauen.

4 Cent mehr, damit ein männliches Küken überlebt

Einen guten Ausweg zeigen Projekte wie Bruderhahn. Diese 19 Betriebe (Stand April 2015) ziehen männliche und weibliche Tiere groß. Sie sind so genannte „Zweinutzungshühner“. Es werden hier keine Rassen eingesetzt, die extra fürs Eierlegen hochgezüchtet wurden, wie das in der Branche mittlerweile üblich ist. Sondern Rassen, die sowohl ordentlich Eier legen wie auch ordentlich Fleisch ansetzen – aber eben keine Höchstleistungen vollbringen, und den Landwirten somit nicht den Profit bringen wie andere Zuchtrassen.

Die Verbraucher zahlen 4 Cent pro Ei mehr – dafür darf ein kleines männliches Küken noch knapp ein halbes Jahr weiterleben. Wobei auch hier am Ende des Lebens die Schlachtung steht: Aus reiner Tierliebe gibt kein Landwirt so viel Geld aus. Das Huhn muss die Aufzuchtkosten als Schnitzelchen wieder reinholen. Aber besser als das sinnlose Töten von Küken ist es allemal. Damit muss echt Schluss sein!

 

Hier gibt es ein paar Links zum weiterlesen:

Initiative Bruderhahn

Deutsche Welle zum Gender-Test

Uni Leipzig forscht