Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Julia Klöckner fordet Malu Dreyer heraus. Wie ticken die beiden Spitzenkandidatinnen? Und wer wird die Wahl am kommenden Sonntag für sich entscheiden?

Von Agatha Mazur

Noch eine Woche, dann ist es endlich soweit: Die Bürger zwischen Trier und Koblenz wählen ein neues Parlament. Nach wochenlangem Wahlkampf, einer abgesagten Elefantenrunde und einem mittelmäßigen TV-Duell werden die Rheinland-Pfälzer entscheiden, ob Malu Dreyer ihr Ministerpräsidentinnenamt behalten kann oder es an Julia Klöckner abtreten muss. Denn auf diese beiden Optionen wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hinauslaufen. Das gab es noch in keinem Bundesland, dass zwei Frauen um das höchste Amt kämpfen.

Dreyer und Klöckner haben einen Mammutwahlkampf auf die Beine gestellt, waren wochenlang von morgens bis abends unterwegs, um unermüdlich jeden potenziellen Wähler von sich zu überzeugen. Von halb 6 Uhr bis abends halb 12 Uhr sei sie am Tag zuvor unterwegs gewesen, erzählt Malu Dreyer bei ihrem Besuch im Wahlkampfstudio der Rhein-Zeitung in Koblenz. „Aber es geht.“ Man laufe permanent auf einem hohen Level während des Wahlkampfs, „vermutlich Adrenalin“, meint sie lachend. Unaufgeregt, fast schon entspannt sitzt die gebürtige Neustädterin am Tisch, umringt von Schülerreportern und Redakteuren. Wenn die Jugendlichen ihr Fragen stellen, schaut sie sie aufmerksam an, macht große Augen, lächelt aufmunternd. Man ahnt, woher die hohen Sympathiewerte kommen.

Rheinland-Pfalz steht immer gut da, wenn Dreyer spricht. Klar.

Dreyer redet routiniert. Als es um Polizeipräsenz geht und sie mit der Aussage konfrontiert wird, dass Rheinland-Pfalz eins der schlechtesten Verhältnisse von Polizisten auf 1000 Einwohner habe, bügelt sie ab, dass dieses Verhältnis nicht das richtige Messinstrument sei, die Innenminister würden mit anderen Zahlen arbeiten. Wie genau die aussehen, lässt sie offen. Man erfährt nur: Da steht Rheinland-Pfalz sehr gut da. Wie immer in ihren Beschreibungen.

Dass nicht jede Faser ihres Körpers entspannt ist, merkt man gegen Ende des Interviews. Jetzt kommen die einstudierten Sätze raus: „Ich mag Rheinland-Pfalz. Ich mag die Bürger hier.“ Ja, wer würde das denn nicht sagen, wenn er oder sie nochmals Ministerpräsident/in werden wollen würde? Auch bei den Antworten fällt die Kreativität ab, vielleicht schlaucht der Wahlkampf doch mehr, als die 55-Jährige es vorgaukelt. Aber hinter der netten Fassade blitzt die Kämpfernatur auf, man ahnt: Malu Dreyer kann auch mit harten Bandagen kämpfen. Auf die Frage, was sie an Julia Klöckner schätze, antwortet Dreyer, dass Klöckner sich so gut mit Wein auskenne. Dass sei ja hier in Rheinland-Pfalz sehr wichtig, sagt die amtierende Ministerpräsidentin, und spielt damit auf Klöckners Vergangenheit als Weinkönigin an. Doch es ist kein Kompliment, denn wenn das, was man an seinem Gegenüber schätzt, dessen Weinexpertise ist, kann es ja mit den poltischen Erfolgen nicht weit her sein. Solche Sachen sitzen.

Julia Klöckner: hin und wieder kokettiert sie mit ihrer Rolle als Winzertochter

Über ihre Zeit als Weinkönigin hat man anfangs mehr von Julia Klöckner gehört. Schon länger hatte die Bad Kreuznacherin versucht, von dem „bäuerlichen“ Image wegzukommen. Nun, in der heißen Wahlkampfphase, stilisiert sich Klöckner aber wieder gerne als bodenständig, redet davon, dass sie gerne in den Weinbergen unterwegs ist. Auf ihrer Webseite erfährt man, dass sie auf dem elterlichen Hof in Guldental Traktor fahren lernte. Was ihr außerdem noch auf den Weg mitgegeben wurde? „Pragmatisches Anpacken“, schreibt sie.

Das merkt man ihrer Art auch an. Denn was die 43-Jährige mehr als genug hat, ist Energie. Mit Elan erläutert sie ihre Position, in einer klaren Sprache. Rhethorisch ist sie sehr gut geschult. Vor dem Interview bei der Rhein-Zeitung hat Klöckner jedem im Redaktionsraum die Hand gegeben: „Echte Bürgernähe“ will sie zeigen, ist ihr Credo. Das zieht sie durch.

Der Inhalt des Gesagten wirkt im Vergleich zu ihrer guten Rhethorik seltsam hohl. Klöckner nutzt polemische Phrasen, redet verschwurbelt von „Rechten und Pflichten“. Im Vergleich zu Malu Dreyer wirkt sie künstlich, wie der fleisch gewordene Traum eines jeden Wahlkampf-PR-Profis. Könnte sich ein Spin Doctor seine Wunschkandidatin auf dem Reissbrett entwerfen, sie sähe aus wie Julia Klöckner.

Wird ihr Plan „A2“ Julia Klöckner Wählerstimmen bringen oder wird ihr die Distanzierung zu Angela Merkel zum Verhängnis?

Die CDU-Landeschefin setzt sich als emanzipierte, moderne Frau in Szene und spricht Frauen gezielt an. Sie weiß, dass Dreyer durch die Frauenbewegung zur Politik gekommen ist und muss dagegenhalten. Sucht die Solidarität unter Frauen. Man habe den Frauen der früheren Generation seit den 70ern viel zu verdanken. Ja, das stimmt und ja, das zieht durchaus.

Mit Nachdruck distanziert sich Klöckner von der AfD, spricht davon, dass man solche Politiker nicht ernst nehmen könne und verurteilt die Aussage von Frauke Petry scharf, auf Menschen im Notfall auch schießen zu lassen. Dennoch wirkt ihre Politik von der AfD getrieben, es ist offensichtlich, dass sie gerade am konservativen Rand der CDU fischt – erst wenige Tage zuvor hatte sie sich im Wahlkampf Unterstützung von Horst Seehofer geholt. Ob ihr Alleingang mit dem Plan „A2“ und dem demonstrativen Schulterschluss mit dem CSU-Chef ihr Wähler bringen oder Wählerstimmen kosten wird, wird der Wahlsonntag offenbaren. Noch ist das Rennen offen.