Mit Spannung wurde die erste Fernsehdebatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump erwartet. Nachdem sie über die Bildschirme geflackert ist, waren sich erstaunlich viele deutschen Medien sofort einig: Hillary hat das Duell haushoch gewonnen. Wie haben sich die Kandidaten präsentiert?

Von Agatha Mazur

Hillary, in einem knallroten Kostüm gegen Trump, blaue Krawatte und schlecht sitzendem Anzug. Es ging soft los, doch am Ende schenkten sich die Kandidaten im Rennen ums Weiße Haus nichts. Trump attackierte Hillary wegen ihrer E-Mail-Affäre, sie ihn wegen der Tatsache, dass er seine Steuererklärung nicht veröffentlich hatte. Laut überlegte sie, was Trump wohl verheimlichen wollte. „Wenn Hillary ihre 35.000 gelöschten E-Mails veröffentlicht, veröffentliche ich meine Steuererklärung“, sagte Trump.

Der Unternehmer versuchte, Hillary Clinton zu reizen und zu provozieren, was sie erstaunlich gut an sich abprallen ließ. Nur ein einziges Mal brachte er sie wirklich aus der Fassung: Als die Freihandelsabkommen zum Thema wurden. Trump lästerte gegen NAFTA und warf Clinton vor, TTIP als gutes Abkommen bezeichnet zu haben, aber dann opportunistisch ihre Meinung geändert zu haben, als sie gesehen hat, dass das Handeslabkommen doch nicht so beliebt sei. Hillary Clinton konnte diesen Vorwurf nicht wirklich entkräften, sie wirkte schwach und lavierte herum.

Trump versuchte zu provozieren, Clinton hatte mehr Kontrolle

Ansonsten war sie meiner Meinung nach der souveränere Part. Nein, Trump vorgeführt hat sie nicht, wie es einige Medien behaupteten. Aber sie war deutlich stärker. Was sie sagte, klang eingeübt, ja, war es natürlich auch – sicher hat sie sich aufs akribischste auf dieses Duell vorbereitet. Aber sie sprach kraftvoll und deutlich und strahlte Selbstbewusstsein aus. Manchmal sogar etwas zu viel. Manchmal war ihr Lächeln zu süffisant und ihre Wiederholungen des Ausdrucks „middle class“ und die Story ihres Vaters, der als kleiner Unternehmer angefangen hatte, zu anbiedernd.

Donald Trump aber hingegen wirkte fahrig, ständig wiederholte er seine Aussagen, wie beispielsweise die These, dass gute Jobs das Land verlassen und man sie zurückholen müsste. Er zeichnete ein düsteres Bild der Vereinigten Staaten. Er zeichnete ein Bild einer abgehängten und leidenden Nation, die von allen anderen, vor allem von China, überholt und ausgebeutet wird.

Hillary Clinton hingegen konnte positive Ansätze formulieren. Colleges sollen kostenfrei werden, was für eine Idee! Mehr grüne Energie, da rennt sie in Europa Türen ein. Trump schien sich einigeln zu wollen. „I want to make America great again,“ war sein Spruch, seine Botschaft zum Abschied. Mit ihm werden die USA ganz bestimmt keine gute Entwicklung nehmen.