Nach den Attentaten in Paris herrschte in Brüssel Terrorwarnstufe vier. Vor knapp einer Woche wurde sie heruntergesetzt. Entspannt sich die Lage? Ein Streifzug durch die Stadt.

Von Agatha Mazur

An die Sicherheitskräfte muss man sich gewöhnen. Unauffällig stehen sie in den Ecken, in den Metrostationen, die Maschinenpistolen griffbereit. Ein Soldat vor der EU-Kommission hat sich einen tarnfarbenen Schal ins Gesicht gezogen: Ob aus Schutz vor dem scharfen Wind oder aus Sicherheitsgründen kann man nur raten. Es hat ein kalter Nieselregen eingesetzt über Belgiens Hauptstadt und Europas politischem Herzen.

Nach den Attentaten in Paris galt in Brüssel die höchste Terrorwarnstufe. Als „ernstzunehmend“ wurde die Gefahr eines Anschlags eingeschätzt. Razzien und vorläufige Festnahmen brachten keinen Durchbruch. Am vergangenen Donnerstag wurde die Terrorwarnstufe herabgesenkt. Seit dem gilt ein Anschlag nur noch als „wahrscheinlich und möglich“: Stufe drei statt Stufe vier. Immer noch hoch. Bereits nach dem Mord an den Journalisten bei der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ haben die Europäischen Organe ihre Sicherheitsvorkehrungen verschäft. Die Soldaten vor der Kommission patroullieren seitdem. Im Gebäude selber herrscht „Alerte jaune“ – kurioserweise die niedrigste aller möglichen Sicherheitsstufen.

An den Bahnhöfen ist wenig los - die soll man schließlich meiden. Der Alltag geht für die Brüsseler trotzdem weiter.

An den Bahnhöfen ist wenig los – die soll man schließlich meiden. Der Alltag geht für die Brüsseler trotzdem weiter.

Kunden kaufen trotzdem ein

Die Stimmung auf der Straße: Verhalten, bedeckt – genau wie der graue Himmel über Brüssel. Es ist ruhig in den Straßen, unaufgeregt gehen die Leute ihrem Alltag nach. Der Sushiladen um die Ecke der Kommission kann sich allerdings über mangelnde Einnahmen genauso wenig beschweren wie der Biomarkt in der nächsten Straße. Je näher man zur Innenstadt kommt, umso belebter werden die Straßen.

Trotzige Ruhe nach turbulenten Zeiten

Verunsichern lassen sich die Brüsseler Bürger nicht. Angst habe sie nicht, behauptet eine Mitarbeiterin der Kommission, die raschen Schritts zu ihrer Arbeitsstelle geht. Auch der Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens will nichts Ungewöhnliches festgestellt haben: Es kämen genauso viele Kunden wie sonst auch, sagt er. Der General Manager eines Hotels erzählt, dass durchaus einige Gäste abgesagt haben. Doch mittlerweile nichtmal mehr das.

„So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Doch die fast schon trotzige Ruhe, mit der die Brüsseler ihrem Arbeitsalltag nachgehen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die vergangenen Zeiten turbulent waren: „So etwas habe ich noch nie erlebt“, bekennt eine Mitarbeiterin des Besucherdienstes der Kommission. Selbstverständlich sind die Anschläge und das Risiko einer neuerlichen Attentats Thema Nummer eins vor einer jeden Führung. Bei Sicherheitsstufe vier wurden die auch abgesagt. Ratschläge werden verteilt: Man solle wachsam bleiben und genau hinschauen. Man merkt, wie belastend die Situation sein muss für diejenigen, die in der Stadt leben und sie täglich durchqueren. Doch es hilft nichts, man muss weitermachen. Genau das tun die Menschen in Brüssel mit erhobenem Haupt.