Von Agatha Mazur

Frankfurt am Main Hauptbahnhof: Ich bin auf einem Termin und habe noch paar Minuten Zeit, bis mein Zug kommt – so stöbere ich am Zeitschriftenstand. Was sehe ich da? Die Kräuter auf dem Cover lachen einen an: Basilikum, Thymian und Waldmeister. Und auch sonst sieht das Titelblatt des Magazins Green Lifestyle frisch und ansprechend retro aus. Hält das grüne Heft, was es verspricht?

„Grün macht Spaß“ verspricht die Redaktion des Magazins, das erstmalig deutschlandweit vertrieben wird. Und schon im Editorial lachen einen die Köpfe des Heftes an, aber auch die Interviewten und Befragten sind mit Kopf abgebildet. Fühlt sich persönlich an: Das Magazin zeigt Gesicht.

PR? Journalismus? Product Placement? Die Grenzen verschwimmen

Wer Ideen und vor allem grüne Produkte sucht, ist hier genau richtig: Es werden so viele verschiedene Produkte und Marken genannt, dass man sich bisweilen fragt, ob die redaktionellen Teile überhaupt die Hauptsache sind oder nur die richtige Umgebung für Produkte bieten sollen, klassisches Product Placement also?

Ein Blick ins Impressum hinterlässt auch Fragezeichen: Verlegt wird Green Lifestyle im AVR Verlag, bei einer Werbeagentur. Aha. In der Tat lässt einen die teilweise völlig unkritische Berichterstattung eher an gute PR denken als an kritischen Journalismus. Wenn die Redakteurinnen Deepmello vorstellen, eine Firma, die Ledertextilien mit einem natürlichen Gerbverfahren bearbeitet, nämlich mit der Rhabarberwurzel statt mit chemischen Zusätzen, dann fragt man sich umsonst, ob man in dem Interview nicht auch mal die Frage nach der Herkunft des Leders hätte stellen können. Denn unter „ökologischen Standards mit besonderen ethischen und sozialen Komponenten“ verstehe ich auch die Frage nach dem Tierwohl. Da hat sich wohl keiner rangetraut.

Fair produzierte Eheringe? Daran hat bestimmt noch kaum ein Brautpaar je gedacht

Und dennoch trumpht das Heft mit interessanten Themen auf: Hat sich schonmal irgendwer mit fair produzierten Eheringen befasst? Oder Enthaarungsmethoden dem Ökocheck unterzogen?

Das Magazin stellt auch interessante Personen und ihre Geschichte vor, ob zwei Studenten Ackerflächen vermieten, die Städter biologisch bewirtschaften können, ob es eine Kunststudentin ist, die ihr Leben hinschmeißt und Landwirtin wird: Man fängt an zu träumen. Landlust lässt grüßen. Auch der kritische Bericht über nicht genormtes Gemüse und Obst (wie beispielsweise krumme Karotten) und den Kampf gegen das Wegwerfen ist sehr lesenswert.

Und…was sehe ich da? Ein Quiz! Ein gutes altes „Testen Sie Ihr Wissen“-Rätsel, natürlich um Nachhaltigkeit, wo man am Ende sich als Meister oder Greenhorn wiederfindet. Das ist nostalgisch, und witzig.

Einiges ist aber leider auch nur heiße Luft. Bei den Entspannungstipps findet man eine Atementspannungsübung, die besagt: Einatmen und bis vier zählen, Luft anhalten und bis vier zählen und ausatmen – diesmal bis acht zählen! Neeeiiin, auf so eine Idee ist bislang noch keiner gekommen, was für eine bahnbrechende Erfindung diese Übung ist! Und auch die Energiespartipps beim Thema Haushalt sind dürftig: Beim Kochen den Deckel aufsetzen: Hat man ja noch nie gehört…

Fazit: Wer Anregungen zu neuen Produkten aller Art sucht und wer interessante Menschen mit ihren Ideen vorgestellt haben möchte, für den ist das Magazin eine Goldgrube. Einige Geschichten sind sehr lesenswert, andere wiederum schwach und werblich. Die Verbrauchertipps schwanken in ihrer Qualität und in dem Mehrwert, den sie bieten, sehr stark. Durch das bunte Retrolayout blättert man gerne durch, das Design ist eindeutig mit Liebe gemacht.