Wer kennt sie nicht? Die Erfahrung als Tourist, übers Ohr gehauen zu werden. Ob man nicht genug Wechselgeld ausgezahlt bekommt, einem überteuerte Dinge angedreht werden. Jeder, der schonmal gereist ist, kennt das. Und hat sich geärgert. Und später darüber gelacht.

Von Agatha Mazur

Und dabei hatte die Hotelmanagerin uns noch gewarnt: „Immer einen Festpreis ausmachen – vorher!“ hatte sie uns eingeschärft. Doch es war wohl die unerträgliche Schwüle in Sri Lankas Hauptstadt Colombo und das Gefühl, man steigt gerade in ein Dampfbad ein, was unser Gehirn veranlasst hatte, einfach auf Stand By zu schalten. Es dauerte keine drei Stunden, und mein Freund und ich tappten in die erstbeste Tourifalle.

Abgezockt im Urlaub! Kennt ihr das Gefühl? Es ist der Moment, wo es einem dämmert, dass man sich gerade als Mega-Greenhorn übers Ohr hat hauen lassen hat. Der Moment, in dem man nicht weiß, ob man sich über das verlorene Geld ärgern soll oder schämen muss, dass einem das passiert ist. Und die Scham ist eindeutig schlimmer: Denn die Abzocke lässt das tolle Bild, was man von sich hat, wie eine Seifenblase platzen: Die Globetrotterin. Die Erfahrene. Man jettet mal eben auf die andere Welthälfte, hat schon in der Jurte in der Mongolei übernachtet und ist im Kaukasus herumgekraxelt. Es ist ja nicht so, als hätte man noch nichts gesehen, aber in solchen Moment wird einem bewusst (und das ist ja eigentlich auch das schöne am Reisen): Man lernt immer wieder hinzu. Man hat eben doch noch nicht so viel gesehen, ist nicht so abgebrüht. Ja, die Lektion ist schmerzhaft.

Aus „Hallo, wie gehts?“ wurde eine Stadtrundfahrt

Erteilt wurde sie meinem Freund und mir in Colombo von Roshan. Und wir haben uns noch so gefreut, so schnell in Kontakt mit einem netten Menschen zu kommen! Offen und sympathisch wie er war, ist er ganz zufällig mit uns ins Gespräch gekommen. In Jeans und kariertem Hemd sah er ungefähr so gefährlich aus wie jeder 08/15-BWL-Student an einer beliebigen deutschen Uni. Sein Englisch war tadellos und schon waren wir unterwegs durch Tempelanlagen und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten von ganz Colombo. Dass sich daraus ganz heimlich eine Stadtrundfahrt entwickelte, für die er hinterher einen unverschämt hohen Preis verlangte, sahen wir nicht kommen. Und natürlich kann man so schnell nicht in einer fremden Währung rechnen. Rechnet ihr mal in Sekundenschnelle 9600 durch 150. „Äääähhhhhh….ach gib ihm doch einfach 10.000, mit Trinkgeld!“ Später, als wir dann im Imbiss saßen und nachrechneten, wurde unser Gesicht fahler und fahler. „Du weißt schon, dass wir ihm gerade ungefähr 60 Euro gegeben haben?“, fragte mein Freund und ich verschluckte mich fast an meinem Mango-Curry.

Alle Touristen machen die gleiche Erfahrung

Gott sei Dank ist man nicht alleine. Das bestätigt einem der Autor Rainer Wieland. Er hat in seinem Buch Reiseberichte aus verschiedenen Epochen gesammelt. Wie in einem Interview in der Welt zu lesen ist, wurden Touristen laut Wieland schon immer abgezockt. „Wie eine Kuh oder ein Gummibaum gemolken“, beklagt sich da ein Reisender Anfang des 20. Jahrhunderts. Also dann: Man ist nicht allein.

Doch die Erkenntnis ist nur der erste Schritt. Dann ärgert man sich, schämt sich, wird auf einmal misstrauisch – grundsätzlich, jedem gegenüber – aber dann irgendwann lacht man bei der Erinnerung: „Weißt du noch, der Typ in Colombo? Oh Mann, waren wir blöd!“ Dann hat man es geschafft, man ist ein Stückchen klüger. Und wird beim nächsten Urlaub doch wieder reinfallen. Man lernt eben nie aus.