Ende Dezember der gleiche Schmuh: Ständig wird man gefragt, was man sich denn so fürs kommende Jahr vornimmt.  Hier gibt’s 5 gute Vorsätze, die ihr sofort in die Tonne kloppen solltet.

Von Agatha Mazur

1. Der Klassiker: „Ich will mehr Sport machen!“ Vergesst es! Es funktioniert eh nicht. Jeder kennt die armen Irren, die in einem Anfall von Joggingwut völlig unkoordiniert und bei strömendem Regen am 2. Januar durch den Park laufen. Einfach nur, weil man das Gefühl hatte, man muss es tun und man muss es JETZT tun. Möglicherweise ist man selbst schon eine dieser bedauernswerten Gestalten gewesen… Wenn ihr euch ernsthaft vornehmen wollt, euch mehr zu bewegen: Nicht überfordern am Anfang. Sucht euch einen Verein, nehmt Kontakt auf, geht mal hin. Ende Januar reicht völlig, und einmal die Woche ist auch total in Ordnung. Wenn man ganz entspannt anfängt, steigen die Chancen, dass man dauerhaft dabeibleibt!

2. „Ich schränke meinen Kaffeekonsum ein.“ Na klar, dieser gute Vorsatz hält genau einen Vormittag lang. Selbst wenn man im Büro voller Enthusiasmus alle Kaffepads entsorgt hat: Spätestens um halb 12 steht man bettelnd bei der Kollegin oder beim Kollegen am Schreibtisch und schnorrt sich ein Pad. Was soll dieser Vorsatz überhaupt? Jahrelang hieß es, Kaffee sei ungesund, weil es dem Körper Wasser entzieht. Ist widerlegt. Jetzt heißt es: Weniger als vier Tassen sind okay. Na also, ich liege drunter. Aber wenn ich tatsächlich ich mal das Gefühl habe, dass ich es gut wäre, paar Tage auf Cappucchino, Milchkaffee und Co. zu verzichten: Dann nehme ich mir das für den Urlaub vor, wo man nicht so konditioniert ist wie im Büro. Der Vorsatz hält immer genau einen Vorm….ach, leckt mich doch am Arsch: „Einen Milchkaffee zum mitnehmen, bitte! Beeilen Sie sich!“

3. „Nächstes Jahr besuche ich meine Familie häufiger.“ Ja, ich weiß, die Mutti freut sich wie Bolle und auch die Oma fragt ständig, wann man denn aufn Käffchen vorbeikommt. Und man selbst hat eigentlich keine Zeit oder möchte an den freien Wochenenden einfach nur auf dem Sofa vor dem Fernseher abhängen. Dann kommt dieser Anruf und sofort schleicht sich das schlechte Gewissen ein: Mensch, du solltest da mal wieder vorbeifahren, hast du doch vor zwei Wochen schon versprochen. Aber hey: Man arbeitet auch (deutlich mehr als) 40 Stunden in der Woche: Die chilligen Wochenenden hat man sich verdient und braucht sie auch, um halbwegs energiegeladen am Montag im Büro aufzukreuzen. Dann muss man auch ein Stück egoistisch sein und den Ideen, wöchentlich der Familie einen Besuch abzustatten, Einhalt gebieten. Man braucht auch (und gerade) Zeit für sich, so gerne man die Familie hat! Wenn man das anspricht, sollte es auch jede Mutti und jeder Vati einsehen. Und wenn man sich nicht ständig sieht, kann man sich auch nicht so schnell gegenseitig auf die Nerven gehen – und freut sich dann umso mehr aufs Wiedersehen!

4. „Nächstes Jahr rette ich das Klima!“ Wie, diesen Vorsatz hat keiner euch euch bislang gehabt? Na gut, ich gebe zu: In dieser radikalen Form hatte ich ihn auch noch nie formuliert. Aber jedes Jahr nehme ich mir vor, so wenig wie möglich zu fliegen, mehr regionale Lebensmittel zu essen und mehr Fahrrad zu fahren. Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Letztes Jahr bin ich drei Mal Langstrecke geflogen, regelmäßig landen Orangen aus Spanien und Avocados aus Peru auf meinem Teller und Fahrrad bin ich nur zwei Monate im Sommer gefahren. Also Mist. Aber noch ist nicht alles verloren. Man kann nunmal nicht alles sofort umsetzen. Aber man muss immer wieder daran arbeiten: Ich habe dieses Jahr das erste Mal einen Flug bei Atmosfair kompensiert, jetzt im Winter versuche ich verstärkt zu Wirsing, Kohl und Möhren aus hiesigen Gefilden zu greifen und für kommenden Frühling steht mein Fahrrad schon parat. Man darf sich nicht zu viel vornehmen, aber man kann sich ja auch mit kleinen Schritten dem Ziel nähern. Ich bleibe dran.

5. „Ich suche mir ein neues Hobby.“ Auch so ein Klassiker. Man stellt fest, dass man viel Zeit auf dem Sofa verbringt (siehe wahlweise Punkt 3 oder Punkt 1) und kriegt irgendwann die Krise: Ein neues Hobby muss her! Was hab ich nicht alles schon mit Elan angefangen: In einem Jahr hab ich gestrickt (sollte ein Pulli werden, wurde ein Topflappen), im nächsten hab ich mir ein Keyboard zugelegt (sollte Beethoven werden, wurde Disney). Und jedes Mal schwand mit fortschreitendem Jahr auch die Motivation. Spätestens im April lag das Strickzeug ungenutzt in der Ecke und das Keyboard setzte Staub an. Also wie auch bei vielen anderen Sachen: Nicht überfordern! Erstmal klein anfangen, anstatt sich die dollsten Dinge auszumalen und mit viel zu viel Schwung vorzupreschen. Langsamer und entspannter ist nachhaltiger. Das soll allerdings niemanden demotivieren: Neue Hobbys sind eine absolute Bereicherung und man braucht schließlich neuen Input. Ich zum Beispiel trainiere seit neustem in einem Boxverein. Mal schauen, ob ich bis April durchhalte…