Es gibt bestimmte Momente, die dir anzeigen, dass sich etwas in deinem Leben verändert hat. Schlüsselmomente, in denen dir bewusst wird: Die 18 ist weit weg und auch an der 25 bist du schon vorbeigeschrammt. Nächster Halt: 30!

Von Agatha Mazur

So einen Schlüsselmoment hatte ich kürzlich. Ich hatte einige Tage frei, die perfekte Gelegenheit, mal wieder abends was zu machen. Köln: Erst gemütlich was trinken, dann ab in die Disco. Das war der Plan. Am liebsten ins Ding, da weiß man von der Musik her, was man hat: Rock und Pop, guter Mainstream, perfekt zum tanzen. Dort war ich schon Ewigkeiten nicht mehr. Jetzt haben ja auch die Studenten Semesterferien, müsste gut gefüllt sein alles, dachte ich mir.

Das erste, was mich stutzen ließ und mir zeigte, dass irgendwas nicht so ist wie sonst, war ein kleiner Gedanke, der sich in meinen Kopf einschlich: Du hast doch längst keinen Studentenausweis mehr, lassen die dich überhaupt noch rein?

Meine Party-Hochphase hatte ich im zweiten Semester, ich erinnere mich, dass in den Semesterferien „feiern gehen“ das übliche Wochenend- und manchmal auch Wochentags-Programm gewesen war. Danach nahm es langsam, aber stetig ab. Je länger man studierte, umso mehr arbeitete man auch. Aus „Gehen wir am Wochenende mal wieder feiern?“ wurde „Gehen wir mal wieder was trinken?“ Man lag um 24 Uhr im Bett, alle waren zufrieden. „So hat man ja noch was vom nächsten Tag“, war die Standardbegründung. Jaja, alle nickten wissend mit dem Kopf, man wollte ja noch was machen und nicht den kompletten nächsten Tag zermatscht im Bett verbringen. Leuchtet ein.

Irgendwann kamen die ersten Junggeselinnenabschiede: Die endeten wie immer im Ding. Aber den Blick nach links und rechts schweifen zu lassen, hinterließ mehr und mehr ein seltsames Gefühl: Mann, sind die Studenten heutzutage jung….Ist die Blonde dahinten überhaupt schon 18? In dem Alter, in dem Leute heutzutage mit G8 ihr Abi machen und an die Uni können, sind andere früher in die Oberstufe gekommen.

Jetzt war es aber soweit: Ich wollte mal wieder am Wochenende was machen. So alt sind wir doch nicht, dachte ich und fing an, meinen Freundeskreis abzufragen. Die erste Absage kam prompt von einem Freund: „Ist nichts für mich.“ Gut, der ist ja auch gerade 40 geworden, dachte ich. Verständlich, die Absage, in dem Alter. Aber dann die nächste Freundin, 29: „Können wir nicht lieber einen Ausflug machen?“ Wir einigten uns darauf, tagsüber spazieren und dann Kaffee trinken zu gehen. Es wurden immer weniger. Mein Bruder sagte zu. Student, 20, klar. Meine Schwester, 30: Aus „Höchstens was trinken gehen, auf Disco hab ich keinen Bock“ wurde ein „Wollen wir nicht nachmittags was essen gehen? Nicht zu spät: Am liebsten gegen 5.“

Am Ende blieb kaum jemand übrig. Das war dann dieser Schlüsselmoment, wo ich dachte: Du bist alt. Der Gedanke war so schnell raus, dass ich ihn nicht zurückhalten konnte. Doch ich relativiere ihn sofort: Alt sind wir nicht, aber StudentInnen sind wir längst nicht mehr. Die Abende in Köln, das Feiern, das Tanzen, das Vor-der-Disco-Schlange-stehen-und-hoffen-dass-man-noch-Freibier-bekommt ist vorbei. Man kommt nicht mehr im Morgengrauen nach Hause und verschläft den ganzen Sonntag. Die Wochenenden sind kostbar, seitdem man 40 Stunden plus X arbeiten muss und nur am Wochenende Freizeit hat. Das sehe ich ein. Ein wenig schade finde ich es durchaus, denn ab und zu tanzen würde bestimmt immer noch Spaß machen. Aber spazieren und Kaffee trinken ist mindestens genauso gut. Und man hat schließlich noch was vom nächsten Tag. Leuchtet ein.